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„SmartVent“: Maximales Sprachverstehen und Optimierung der akustischen Übertragung an Hörsystemen und Einsteckhörern durch Drehmechanismus für Ohrpassstücke

Kurzfassung

Ein Forscher-Team der Hochschule Aalen hat ein einfach zu bedienendes, wirksames Belüftungsprinzip für Hörsysteme oder auch In-Ear-Kopfhörer entwickelt. Das innovative Belüftungsprinzip ermöglicht es dem Hörsystemnutzer, die akustischen Eigenschaften für die jeweilige Hörsituation zu optimieren. Neben größtmöglicher Belüftung und Hörkomfort wird in akustisch komplexen Situationen die maximale Leistung der Hörgeräte entfaltet. Der Nutzer kann die Belüftung je nach Hörsituation stufenlos manuell einstellen.

Hintergrund

Das klassische Hörgerät wird hinter dem Ohr getragen und mit einem Ohrpassstück (Otoplastik) in der Ohrmuschel fixiert. Das Ohrpassstück wird nach Silikonabformung der Ohrmuschel individuell anatomisch gefertigt, wobei neben der Bohrung für die Ankopplung des Hörgeräts in der Regel eine zusätzliche Belüftungsbohrung (Vent) in das Ohrpassstück eingebracht wird. Dadurch wird bereits bei der Anpassung des Ohrpassstücks die Entscheidung über die Art der akustischen Ankopplung festgelegt.

Problemstellung

Am effizientesten wären Ohrpassstücke ohne solche Belüftungsbohrungen, bei denen kein Direktschall auftreten kann. Die meisten Nutzer kommen mit einem solchen Ohrpassstück jedoch nicht zurecht, da es das Ohr dichtend abschließt und der Nutzer damit inneren Störgeräuschen und Körperschallen ausgesetzt ist. Es wird daher ein Kompromiss für den Nutzer gefunden aus einerseits einem möglichst guten Tragekomfort, d.h. einer möglichst weit geöffneten Belüftungsbohrung, und andererseits einer guten Funktion des Hörgeräts, d.h. einer möglichst geschlossenen Belüftungsbohrung und geringem Anteil an zum Ohr gelangendem Direktschall.Ungünstigerweise muss also bisher von Anfang an besagter Kompromiss zwischen Tragekomfort und Funktion des Hörgeräts festgelegt werden, ohne dass dies nachträglich beliebig und wiederholt korrigiert werden kann.

Lösung

Kein zu Beginn bereits festgelegter Kompromiss mehr erforderlich! Das SmartVent besteht aus einer Hülse und einem Drehstift, welche beide ineinandergesteckt und in der additiv gefertigten Otoplastik in eine entsprechende Aussparung in der Belüftungsbohrung eingeschoben werden. Der Schall verläuft durch den zu der Stirnseite der Hülse geöffneten Erweiterungskanal, über die in der äußeren Wandung des Steuerelements vorgesehene Verbindungsbohrung und von dort in den inneren Hohlraum des Steuerelements, der sich an der der Stirnseite der Hülse gegenüberliegenden Seite des Ohrpassstücks und damit in das Ohr des Nutzers öffnet. Die wirksame Größe der Belüftungsöffnung bzw. des Belüftungskanals kann dann in Abhängigkeit der akustischen Situation durch den Nutzer stufenlos durch einfaches Verdrehen eingestellt werden. Der Erweiterungskanal verläuft in axialer Richtung nur teilweise durch die Hülse, ein ungehindertes Durchströmen der Hülse wird verhindert.

Ohrpassstück mit SmartVent-Einsatz in Seitenansicht (linker Bildabschnitt) und Frontansicht (rechter Bildabschnitt)
Ohrpassstück mit SmartVent-Einsatz in Seitenansicht (linker Bildabschnitt) und Frontansicht (rechter Bildabschnitt). [Bild: Hochschule Aalen]

Vorteile

  • Optimierung der akustischen Eigenschaften für die jeweilige Hörsituation bei  bestmöglicher Belüftung,
  • sehr hohe Genauigkeit und damit gute akustische Abdichtung,
  • stufenlos einstellbar,
  • einfach zu handhaben,
  • nachrüstbar in bereits vorhandene Ohrpassstücke,
  • Bauteile leicht zu reinigen,
  • additive Fertigung möglich.

Anwendungsbereiche

Ohrpassstücke (Otoplastiken) für Hinter-dem-Ohr Hörgeräte, Im-Ohr-Hörgeräte sowie für externe Hörer oder auch In-Ear-Kopfhörer.

Exposé
Kontakt
Dr. Frank Schlotter
TLB GmbH
Ettlinger Straße 25
76137 Karlsruhe | Germany
Telefon +49 721-79004-0
schlotter(at)tlb.de | www.tlb.de
Entwicklungsstand
Prototyp / TRL5
Patentsituation
EP 20 197 509.1 anhängig
Referenznummer
20/027TLB
Service
Die Technologie-Lizenz-Büro GmbH ist mit der Verwertung der Technologie beauftragt und bietet Unternehmen die Möglichkeit der Lizenznahme.