Im weltweiten Markt muss Patentstrategie international ausgerichtet sein

Die Solarbranche erfährt derzeit – nach vielen erfolgreichen Jahren – einen immensen Umbruch. Die Diskussion über die Strafzölle für chinesische Solarzellen hat es gezeigt: Die Marktmacht Chinas in der Produktion von Solarzellen ist schwer zu durchbrechen. Zu aggressiv ist die Subventionspolitik der chinesischen Regierung – zu niedrig sind die chinesischen Produktionskosten im internationalen Vergleich. „Eine abgestimmte Patentstrategie hätte helfen können, dem Streit um Strafzölle in der Photovoltaikindustrie die Spitze zu nehmen“, so TLB-Geschäftsführer Marcus Lehnen.

Die deutschen Anlagenbauer hingegen profitieren oder profitierten zumindest von dieser Entwicklung. Denn das technische Know-how, also der Technologievorsprung kann nicht einfach kopiert werden. So wurde ein Großteil  des Umsatzes der Hersteller von Photovoltaik-Equipment in den vergangenen Jahren in China und anderen asiatischen Ländern gemacht. Aufgrund der Überkapazitäten auf dem Solarzellenmarkt kam es allerdings  im letzten Jahr zu einem schmerzhaften Einbruch in den Absatzzahlen.

Eine ganze Reihe von Entwicklungen, auf denen der deutsche Technologie-Vorsprung im Anlagenbau beruht, wurden an Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg gemacht und patentiert. Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH als Partner der Universitäten im Bereich IP-Marketing hat mit ihrer Patentierungsstrategie frühzeitig auf neue Märkte  gesetzt und für wichtige Technologien Patente im Bereich Photovoltaik international angemeldet. Drei Basispatente wurden auch für China mittlerweile erteilt.

Der Bereich Photovoltaik und Solartechnik stellt einen wichtigen Cluster dar und wurde konsequent ausgebaut. Besonderen Wert legte TLB auf die internationale Anmeldung von Basispatenten. Das bedeutet, dass durch das Patent eine Schlüsseltechnologie abgedeckt wird. Dies ist die Grundlage dafür, dass TLB die Technologie-Lizenzen an deutsche Anlagenbauer vergeben konnte und deren Produkte auch im Ausland und hier speziell in China geschützt sind vor dem einfachen Kopieren. Beispielsweise kann mit einem an der Universität Konstanz erforschten Verfahren zur Modifikation der Frontseite der Solarzellen der Wirkungsgrad deutlich verbessert werden. „Für Produzenten von Solarzellen ist das höchst relevant“, so Professor Giso Hahn, der die Photovoltaik-Abteilung an der Uni Konstanz leitet. „Bereits eine Steigerung von einem Prozent absolut kann einem Unternehmen mit einer Produktion von etwa 100 Millionen Solarzellen im Jahr einen jährlichen Zusatzumsatz von mehreren Millionen Euro einbringen.“

In den vergangenen Jahren stieg das Verkaufsvolumen weltweit stark an. In 2012 sind weltweit 34 Gigawatt-Leistung Solarzellen verkauft und installiert worden, in Deutschland ca. ein Viertel davon. Hauptabnehmer für Produktionsanlagen war und ist vor allem China. Anlagenbauer mit Lizenz haben einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dadurch, dass sie diese neuen Technologien legal anbieten und deren Kunden Solarzellen auf dem neusten Stand legal herstellen dürfen. Patenterschöpfung nennt man diesen Vorgang. Das bedeutet, dass die Lizenz auch für das Produkt gilt, das mit den lizenzierten Maschinen hergestellt wird, in diesem Fall also die Solarzellen. Da sich der Markt im Bereich Photovoltaik sehr stark nach China verlagert hat, ist ein chinesisches Patent unabdingbar auch für den mittelständischen Anlagenbauer aus Baden-Württemberg. Durch das patentierte Know-how können Solarzellen kostengünstiger hergestellt werden, was wiederum einen unverzichtbaren Wettbewerbsvorteil im internationalen Konkurrenzkampf darstellt. Am Niedergang der deutschen Solarindustrie – Q-Cells, SolarWorld, Sunways und nicht zuletzt Bosch Solar und die Solarsparte von Siemens – ist nachzuvollziehen, wie schnell einst erfolgreiche Firmen im Weltmarkt abgehängt werden können.

Dr.-Ing. Hubert Siller hat die Patentierungsstrategie betreut: „Meiner Erfahrung nach werden Patente entgegen der allgemeinen Meinung als sehr wichtig in der chinesischen Wirtschaft angesehen – gerade in der Photovoltaik. Die chinesischen Firmen sind an einem Wettbewerbsvorteil interessiert und auch bereit, in patentierte Technologien zu investieren. Die Lizenzzahlungen kommen so auch wieder der heimischen Forschung zugute“, erläutert der TLB-Innovationsmanager. „Die Produktion ist zwar nach China verlagert. Aber die Produktion des Equipments und nicht zuletzt die Forschung und Entwicklung findet in Deutschland statt und durch die Lizenzen fließt ein Teil der Investitionen wieder an die Universitäten und andere Forschungseinrichtungen zurück.“