Hannover Messe 2014: Großes Interesse an neuen Technologien

Anne Feuer vom Institut für Strahlwerkzeuge der Universität erklärt die Spinndüsen.
TLB-Innovationsmanager Emmerich Somlo im Gespräch mit Dr. Holger Erfle vom Insitut BioQuant der Universität Heidelberg (rechts).
Die Top-Spin-Box zeigt, wie Cellulosefaser hergestellt wird.
Großes Publikumsinteresse am Gemeinschaftsstand "Baden-Württemberg international".
Forschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und EU-Kommissar Günther Oettinger lassen sich die Innovationen aus Baden-Württemberg zeigen.
Rudi Beer, Abteilungsleiter Forschung bei der Baden-Württemberg Stiftung im Gespräch mit Dr. Holger Erfle.

Innovationen und neue Technologien aus den baden-württembergischen Hochschulen zeigte TLB gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung in diesem Jahr auf der Hannover Messe.

Die TLB-Innovationsmanager Emmerich Somlo und Dr. Iris Kräuter präsentierten am Gemeinschaftsstand "Baden-Württemberg international" zahlreiche von TLB betreute Erfindungen. Auch die Erfinder selbst waren in Hannover vor Ort und standen für Detail-Fragen zur Verfügung.

So präsentierte die Physikerin Anne Feuer vom Institut für Strahlwerkzeuge der Universität Stuttgart zum Beispiel eine superfeine Cellulosefaser, die mit einem neuartigen Verfahren als Endlosgarn gesponnen werden kann. Das innovative Garn wurde als Gemeinschafterfindung an der Universität Stuttgart und am ITCF in Denkendorf entwickelt und wird von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. 

Das in Denkendorf neu entwickelte Direktspinnverfahren bringt Cellulosefasern in einer Feinheit von 0,2 dtex hervor. Es sind die ersten Supermikrofasern, die nicht nur in Form kleiner Bruchstücke, sondern als lange "endlose" Fasern produziert und auf Spulen aufgewickelt bereitgestellt werden können. Als Endlosgarn vorliegend, lassen sich diese superfeinen Fasern dann über Web- und Stricktechnologien direkt und vielfältig weiterverarbeiteten. 

Für dieses Spinnverfahren wurden an der Universität Stuttgart Spinndüsen entwickelt, die über mikrofeine Löcher verfügen.

Ebenfalls gezeigt wurde ein neuartiges Verfahren in der Zellanalyse, das am Institut BioQuant der Universität Heidelberg entwickelt wurde. Einer der Erfinder, Dr. Holger Erfle, war in Hannover anwesend und erklärte das Transfektions-Verfahren direkt am Messestand. Das Substrat wird zur Beschichtung von transparenten Platten verwendet. Die Position der lokalisierten Beschichtung auf der Platte ist eindeutig und adressierbar, was die Automatisierung von Prozessen ermöglicht. Da das Substrat problemlos in aktivem Zustand lagerfähig ist, kann es in großer Quantität und automatisiert hergestellt und danach sogar in diesem aktiven Zustand an die Anwender verschickt werden. Zudem werden auch Analysen mit standardisierten Laborprotokollen möglich. 

 

 

 

 

Technologien und Innovationen für die Zukunft

Innovationen und neue Technologien aus den baden-württembergischen Hochschulen zeigt die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung auf der Hannover Messe 2014. TLB fördert Erfindungen aus den baden-württembergischen Hochschulen sowie aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen und begleitet diese auf dem Weg zum innovativen Produkt. Die Baden-Württemberg Stiftung finanziert Forschungsprojekte mit dem Ziel, den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg zu sichern.  Als Partner der Wissenschaft und der Wirtschaft präsentieren TLB und Baden-Württemberg Stiftung auf der diesjährigen Hannover Messe am Gemeinschaftsstand „Baden-Württemberg International“ (Halle C, Stand C17) Erfindungen und Prototypen aus den Bereichen Lasertechnik, Faserherstellung und Transfektionstechnologie.

 

Vorgestellt wird beispielsweise das Gemeinschaftsprojekt „Top Spin“: Mit einem neuartigen Verfahren können Stuttgarter Forscher winzige Löcher in Metall bohren. Dadurch lassen sich die  feinsten direktgesponnenen Cellulosefasern der Welt spinnen – um damit beispielsweise Vliese oder Gewebe mit herausragenden Sorptions- oder Filtereigenschaften herzustellen.

Die winzig kleinen  Löcher mit Durchmessern bis zu 25 µm werden  am Institut für Strahlwerkzeuge (IFSW) der Universität Stuttgart  mit Laserstrahlung gefertigt. Bis zu 2000 dieser kleinen Löcher müssen für die Herstellung einer einzigen Spinndüse gebohrt werden, und das auf einer Fläche, die kleiner ist als Ein-Cent-Stück. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, den Durchmesser der Löcher zu verkleinern, sondern darüber hinaus der hohen Qualitätsanforderung gerecht zu werden, die für die Faserherstellung notwendig ist. Am IFSW forscht man seit Jahren zum Thema Lasertechnik und deren Einsatz in der industriellen Fertigung. Durch die neue Dimension in der Laserfertigung kleinster Mikrodurchbrüche wurde es möglich, hochwertige Spinndüsen für die Herstellung von Supermikrofasern zu fertigen und damit einen neuen Standard in der Fasertechnologie zu setzen. Die Spinndüsen sind kleiner als ein Ein-Cent-Stück und durchstochen von knapp 2000 winzigen Löchern von weniger als 30 µm.

Am Institut für Textilchemie und Chemiefasern (ITCF) in Denkendorf werden diese hochwertigen Spinndüsen eingesetzt, um die Supermikrofasern aus Cellulose zu spinnen. Ziel der Denkendorfer Textilforscher war eine Faser-Feinheit von 0,2 dtex. Das bedeutet, dass die Faser pro Kilometer Länge nicht schwerer sein darf als ein Fünftel Gramm. Es sind die weltweit dünnsten Cellulosefasern, die bislang als „endlose“ Fasern gesponnen wurden. Auf Spulen aufgewickelt, können die Cellulosefasern in technischen Prozessen zu anspruchsvollen Textilien verarbeitet werden.

Mit dieser von der Baden-Württemberg Stiftung finanzierten Erfindung eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für Faserprodukte. Da die Fasern sehr dünn sind, verfügen sie über eine besonders große Oberfläche und Sorptionsfähigkeit, die im Bereich der Textil-, Filter und Medizintechnik vorteilhafte Anwendung finden könnte. Im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung begleitet TLB die Patentierung und Weiterentwicklung der Erfindung.

 

Eine weitere Innovation stellen Forscher des BioQuant Zentrums der Universität Heidelberg vor. Bei diesem ebenfalls von der Baden-Württemberg Stiftung finanzierten Projekt geht es um ein neues Verfahren in der Transfektionstechnologie mit der Bezeichnung  „High Density-Cell Arrays (HD–Cell Arrays)“. Für Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie in der Pharma- und Kosmetikindustrie besteht der Bedarf an einer einfachen und kosteneffizienten Methode zur Transfektion von Nukleinsäuren und Antikörpern in lebende eukaryotische Zellen. Transfektion bedeutet, dass bestimmte Marker in lebende Zellen eingebracht werden. Am BioQuant Zentrum der Universität Heidelberg wurde nun eine neuartige Technologie entwickelt, mit der die parallele Transfektion von Gewebekultur- und Patientenzellen mit mehr als 21.000 die Genfunktion modulierenden Reagenzien möglich wird. Im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung begleitet TLB die Patentierung und Verwertung der Erfindung.

Superfeine Gewebe aus Cellulose für neue Materialeigenschaften

Denkendorfer Textilforschern gelang es erstmals, feinste Fasern auf der Basis des umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoffes Cellulose als Endlosgarn herzustellen. Mit dieser von der Baden-Württemberg Stiftung finanzierten Erfindung aus dem Institut für Textilchemie und Chemiefasern (ITCF) eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für Faserprodukte. Auf der Hannover Messe 2014 (7. bis 11. April) stellt TLB gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung eine Spindel mit Endlosfaser aus Cellulose aus. Außerdem werden die Spinndüsen gezeigt, mit denen diese feinen Fasern hergestellt wurden (Halle 2, Stand C17).) Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH betreut den Patentierungs- und Vermarktungsprozess der Erfindung. Als Evaluationspartner und potentielle Lizenznehmer werden Hersteller von Hygieneprodukten, Geweben und Filtern gesucht.

Das in Denkendorf neu entwickelte Direktspinnverfahren bringt Cellulosefasern in einer Feinheit von 0,2 dtex hervor. Es sind die ersten Supermikrofasern, die nicht nur in Form kleiner Bruchstücke, sondern als lange "endlose" Fasern produziert und auf Spulen aufgewickelt bereitgestellt werden können. Als Endlosgarn vorliegend, lassen sich diese superfeinen Fasern dann über Web- und Stricktechnologien direkt und vielfältig weiterverarbeiteten. Aber auch die Bereitstellung als Stapelware und die Verarbeitung zu Vliesen ist möglich.

Die Denkendorfer Supermikrofasern haben im Vergleich zu herkömmlichen Cellulosefasern eine um bis zu zehn Mal größere Faseroberfläche. Dies erklärt die verbesserte Sorptionskraft von aus Supermikrofasern hergestellten Materialien. Web- und Strickwaren aus diesen Cellulosefasern zeichnen sich durch winzige Fadenzwischenräume aus, die bisher noch nicht herstellbar waren. Diese neue Gewebequalität könnte für Spezialanwendungen im Bereich der Filter sowie Pflege- und Medizinprodukte interessant sein und zu neuen innovativen Produkten mit verbesserter Saugkraft und Wärmeisolation führen

Das ICTF steht mit seinem Know-how und seiner Expertise evaluierenden Unternehmen als Forschungs- und Entwicklungspartner für konkrete Anwendungen unterstützend zur Seite. TLB agiert als Experte für Patentierung und Verwertung von Erfindungen im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung, die die Rechte an der Erfindung hält. Die Stiftung hat in die Forschung und Entwicklung der Cellulosefaser investiert und unterstützt nun auch die Evaluierung und Verwertung. 

Neuartiges Verfahren in der Zellanalyse

Für Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie in der Pharma- und Kosmetikindustrie besteht der Bedarf an einer einfachen und kostengünstigen Methode zum Einbringen bestimmter Marker, wie zum Beispiel  Nukleinsäuren und Proteinen in lebende eukaryotische Zellen (Transfektion). Am BioQuant Zentrum der Universität Heidelberg wurde nun eine solche neuartige Technologie entwickelt. Die Baden-Württemberg Stiftung und die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH stellen dieses neuartige Verfahren auf der Hannover Messe (Halle 2, Stand C17).